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Unternehmensanleihen und KI: Ein gefährlicher Cocktail

Unternehmensanleihen und KI: Ein gefährlicher Cocktail

4 min

Nun ist auch der letzte Vorhang gefallen für First Brands, jenen US-Automobilzulieferer, der Ende 2025 mit der Beantragung von Gläubigerschutz Schlagzeilen gemacht hatte. Das mittlerweile in Liquidation befindliche Unternehmen hatte einen Dominoeffekt im Private-Debt-Universum befürchten lassen, über das es sich im Wesentlichen finanziert hatte. Ein Jahr später hat sich der Anlegerfokus auf eine andere potenzielle Gefahrenquelle verlagert: die massive Kapitalaufnahme seitens der KI-Akteure an den Kreditmärkten. Diese geht so weit, dass KKR einen „ungewöhnlich konzentrierten Investitionszyklus“ konstatiert. Wenn eine der ganz großen Investmentgesellschaften an der Wall Street eine solche Warnung ausspricht, verdient die Situation ein näheres Hinsehen.

In der Tat sind die als Kapital an die Hyperscaler* vergebenen Summen schwindelerregend: Für das laufende Jahr geht der Konsens von 806 Milliarden Dollar aus, für 2027 von 1.104 Milliarden – gegenüber ‚mickrigen‘ 237 Milliarden im Jahr 2024. Wenig überraschend weist die Cashflow-Generierung dieser fünf Player mitnichten dieselbe Aufwärtsdynamik auf wie die Ausgaben, sodass ihre Bilanzen nun als Anpassungsvariablen herhalten müssen.

Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs hat eine Schätzung des realisierten und noch zu erwartenden Emissionsvolumens dieser fünf Unternehmen aufgestellt. Auch hier lassen einem die aufgerufenen Summen den Atem stocken: Nach Brutto-Emissionen in Höhe von 108 Milliarden Dollar im Jahr 2025 veranschlagen die Analysten 250 Milliarden für dieses Jahr und 420 Milliarden für 2027. Über den Tech-Sektor hinaus taxieren sie das von Unternehmen mit KI-Bezug in diesem Jahr eingesammelte Kapital auf 578 Milliarden Dollar sowie auf 12 % des gesamten Nennwerts des amerikanischen Investment-Grade-Segments**.

Nicht nur an ihren Heimatmärkten decken sich die Hyperscaler mit Geld ein. Ihr Finanzierungsbedarf ist so gigantisch, dass sie kurzerhand auch die Märkte in Europa, Australien und der Schweiz anzapfen. Besonders bizarre Züge nimmt diese Situation in Letzterer an, da der Schweizer Markt nun einmal relativ überschaubar ist: Über ein Viertel aller Emissionen waren in diesem Jahr mit dem Thema KI verknüpft, was die Finanzchefs heimischer Unternehmen zwingt, ihre Gewohnheiten zu ändern, um im Wettbewerb mit diesen Akteuren zu bestehen.

Selbstverständlich hat diese Emissionsflut zur Folge, dass die Anleger höhere Zinsen für das verliehene Geld verlangen. Bei den Zinssätzen, die die großen Tech-Akteure aus den USA zahlen, ging es dieses Jahr beständig aufwärts. Ein sprechendes Beispiel ist der Kupon von rund 7 %, den die Google-Konzernmutter Alphabet Ende August für ein Papier mit zwanzigjähriger Laufzeit in australischen Dollar geboten hat. Trotz der von der Ratingagentur S&P Global vergebenen Note AA+ lag der Spread*** zum Zeitpunkt der Emission bei 180 Bp.

Generell gehen die Goldman-Sachs-Analysten für Unternehmen mit IG-Rating, die im Bereich KI tätig sind, von einem Aufschlag von rund 20 Bp. gegenüber anderen Emittenten am US-Markt für Firmenbonds aus. Wohl aus diesem Grund lotet Amazon derzeit die Möglichkeit aus, Investoren über ein spezielles Anlagekonstrukt nach Art eines Sale-and-Leaseback****-Vertrags für 8 Milliarden Dollar die modernsten Nvidia-Chips zu verkaufen.

Während sowohl die amerikanischen als auch die europäischen Kreditmärkte bis Ende August Resilienz bewiesen, hat sich die Zinsvolatilität***** nun auf die Spreads durchgeschlagen, die sich im europäischen IG-Segment im Verlauf des letzten Monats um 20 Bp. auf 100 Bp. ausgeweitet haben. Erfahrenen Börsianern wird die Korrelation zwischen diesen beiden Marktparametern wohlbekannt sein, und hinzu kommt nun noch die seit einigen Wochen zu beobachtende Abnahme der Zuflüsse in die Anlageklasse der Unternehmensanleihen.

Der Grund für diese verhalteneren Zuflüsse könnte der Wettbewerb um Kapital sein, der derzeit an den Anleihemärkten tobt, da auch die staatlichen Emittenten in erheblichem Umfang neue Papiere begeben müssen. Nach den jüngsten Bewegungen im sogenannten ‚risikolosen‘ Marktsegment nimmt sich die Rendite europäischer IG-Firmenbonds mit durchschnittlich 4,3 % für klassische direktionale Carry-Strategien attraktiv aus. Allerdings rangiert das aktuelle Spread-Niveau noch immer unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt (120 Bp.) und weit unter den Hochs vom September 2022 (230 Bp.). Anleger gehen damit ein Dekompressionsrisiko ein, das sich nur über flexible Unternehmensanleihestrategien absorbieren lässt ...

 

*Amazon, Google, Meta, Microsoft und Oracle.

**Die Kategorie der Emittenten guter Bonität in der Anlageklasse der Unternehmensanleihen.

***Der Abstand zwischen einem risikolosen Zinssatz und der Rendite einer Unternehmensanleihe.

****Ein Vertrag über den Verkauf von Vermögensgegenständen, die anschließend sofort zurückgemietet werden.

*****Der Move-Index steht bei 101 Zählern.

Pierre Pincemaille, Generalsekretär der Verwaltung., am 9. Oktober 2026.

Dieser Artikel stellt weder ein Kaufangebot noch eine Anlageempfehlung dar. Diese Werbeunterlage ist ein vereinfachtes Präsentationsinstrument und stellt weder ein Zeichnungsangebot noch eine Anlageberatung dar. Die in der Vergangenheit erzielte Performance bedeutet keine Prognose für die Zukunft. Verwaltungskosten sind in der Wertentwicklung enthalten. Die Performances sind von DNCA FINANCE berechnet. 

DNCA Investments ist eine Handelsmarke von DNCA Finance.

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