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Kupfer: ATH*

Kupfer: ATH*

2 min

Nicht nur die Zinsen von Staatsanleihen steigen derzeit auf beispiellose Höhen. Auch das rote Metall hat zuletzt mit dem Vorstoß auf über 14.000 Dollar je Tonne seine Januar-Bestmarken geknackt. Kupfer, dem angelsächsische Anleger den Spitznamen Doctor Copper verpasst haben, weil er sich so gut als Pulsmesser der Wirtschaft eignet, hat damit natürlich auf die jüngsten PMI-Daten** sowie auf die Ankündigung des chinesischen Konjunkturpakets reagiert. Abgesehen von diesen konjunkturellen Effekten steht dieses Metall jedoch auch im Zentrum der derzeit wütenden Handels- und Technologiekriege. Unter diesen Vorzeichen scheint eine eingehendere Analyse der langfristigen Dynamiken geboten.

Längst herrscht Einigkeit darüber, dass Kupfer am Schnittpunkt verschiedener Paradigmenwechsel liegt: der Energiewende, der technologischen Revolution und des geopolitischen Umbruchs. Während die energie- und geopolitischen Transformationen vom Konflikt in Nahost und der Preisexplosion bei fossilen Brennstoffen Auftrieb erhalten, stellt der Aufruf des Anthropic-Chefs zu einer Drosselung der KI-Entwicklung plötzlich den Nutzen dieser Technologie infrage.

Zur Erinnerung: Von 100 Dollar KI-Investitionsausgaben fließen 15 Dollar in Netzausrüstung und 20 Dollar in Energie im weiteren Sinn. Die Hausse überrascht also nicht, verschlingen beide Segmente doch große Mengen an Kupfer, das mit einer hervorragenden elektrischen Leitfähigkeit besticht. Eine Abschwächung der Kapitalinvestitionen würde mittelfristig somit zu einem veränderten Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage führen. Allerdings entpuppt sich dieses Szenario mit Blick auf die außerbilanziellen Verbindlichkeiten der Hyperscaler als höchst unwahrscheinlich: Diese sieben großen Player der US-Tech-Szene haben Mietverträge über Rechenzentren im Volumen von 900 Milliarden Dollar unterzeichnet. Bedenkt man zudem den fulminanten Erfolg des persönlichen Assistenten Muse von Meta, so ist der Wettbewerbsdruck im Sektor durchaus noch präsent und spricht kaum für eine Entschleunigung.

Diesem tiefgreifenden Trend steht eine hoffnungslos unveränderte Angebotsdynamik aufgrund von Faktoren gegenüber, die im Wesentlichen struktureller Natur sind, wie etwa ein gesunkener Erzgehalt, regulatorische und ökologische Hürden sowie die Inflation der Investitionskosten***. Konkret geht aus den Produktionszahlen der führenden Bergbaukonzerne, die zusammen zwei Drittel des weltweiten Angebots bei diesem Erz ausmachen, ein Rückgang desselben um 3,5 % im ersten Halbjahr 2026 hervor (gegenüber dem ersten Halbjahr 2025). Unter den Regionen kämpft Chile mit den größten Produktionsschwierigkeiten und verzeichnet für diesen Zeitraum einen Rückgang um 6 % – oder sogar 7 %, wenn man den Juli hinzurechnet, in dem zahlreiche Unwetter die Förderung erschwerten. Als wäre es damit nicht genug, lässt nun auch der Markt für recyceltes Kupfer Anzeichen von Schwäche erkennen: Die Produktion von Sekundärkupferdraht ist binnen eines Jahres um 50 % eingebrochen!

Eine neue Wendung hat der geopolitische Aspekt genommen, als die US-Administration ankündigte, über die Einführung von Zollbarrieren auf raffiniertes Kupfer nach Section 232 nachzudenken. Die Reaktion der Marktakteure folgte auf den Fuß; massiv wurden Vorräte aus den Londoner Lagern der LME****, dem wichtigsten Handelsplatz für Kupfer, in die Lagerhäuser der amerikanischen Comex verschoben. Von 200 Tsd. Tonnen im Juli 2025 sind die Comex-Bestände deshalb auf derzeit rund 700 Tsd. Tonnen angewachsen, was zu einer Preisdivergenz zwischen den beiden Börsen geführt hat.

Man kann sich berechtigterweise die Frage nach der Effektivität einer solchen Maßnahme stellen: Aufgrund der Produktionszeiten***** würde sie kurzfristig nicht zu einer Ausweitung der amerikanischen Förderleistung führen. Eine größere Wirkung hätte ein deal über die Belieferung durch ein Partnerland. Sofern sich die Vernunft durchsetzt, dürfte es auf einen Verzicht auf Zölle oder die Festlegung von Ausnahmen hinauslaufen. Sollte eins dieser beiden Szenarien eintreten, so würde ein Teil der Bestände den umgekehrten Weg einschlagen, was zwangsläufig niedrigere Kupferkurse an der LME zur Folge hätte.

Über diese kurzfristige Volatilität hinaus sollten sich Anleger jedoch die unterschwellige Botschaft zu Herzen nehmen: Die Vereinigten Staaten betrachten Kupfer zu Recht als kritischen Rohstoff und möchten vor diesem Hintergrund ihre Versorgungssicherheit stärken, notfalls auch zulasten der Kostenoptimierung. Jenseits der rein wirtschaftlichen Aspekte der Angebotsknappheit und des entsprechenden Nachfrageüberhangs verleiht dies dem Industriemetall einen neuen, strategischen Wert, der seinen Platz in einem diversifizierten Portfolio ganz und gar rechtfertigt.

 

*All Time High.

**Purchasing Managers Index: Dieser über Umfragen unter Einkaufsleitern erhobene Index stand im September im Euroraum bei 53,1 und in den Vereinigten Staaten bei 58,4.

***Verteuerung um das 2,5-Fache in den letzten 15 Jahren.

****London Metal Exchange.

*****Zwischen der Lancierung eines Abbauvorhabens und dem Förderbeginn verstreichen 15 Jahre.

Pierre Pincemaille, Generalsekretär der Verwaltung., am 2. Oktober 2026.

Dieser Artikel stellt weder ein Kaufangebot noch eine Anlageempfehlung dar. Diese Werbeunterlage ist ein vereinfachtes Präsentationsinstrument und stellt weder ein Zeichnungsangebot noch eine Anlageberatung dar. Die in der Vergangenheit erzielte Performance bedeutet keine Prognose für die Zukunft. Verwaltungskosten sind in der Wertentwicklung enthalten. Die Performances sind von DNCA FINANCE berechnet. 

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