Zum Inhalt springen
Land / Sprache

Land / Sprache

  • Belgien
  • Schweiz

Ihr Profil

Nicht professioneller Anleger

Aktuelles & Publikationen

Wöchentliche Marktkommentare, Pressemitteilungen, Expertenmeinungen, Managementbriefe und Interviews: Hier finden Sie alle Veröffentlichungen und Stellungnahmen unserer Teams.
Filter

Aktuelles

Energie: Tanker um Tanker

Energie: Tanker um Tanker

3 min

Zurück auf Los. Nachdem die Anleger bei Unterzeichnung des Rahmenabkommens zwischen den beiden Kriegsparteien erleichtert aufgeatmet hatten, sind die Kampfhandlungen in der Meerenge von Hormus nun heftiger denn je wieder entbrannt. Wie überall gilt auch im Land des schwarzen Goldes die Regel des Chemikers Lavoisier: Ein eingeschränktes Angebot schlägt sich in verschiedenen Problemen entlang der gesamten Energiewertschöpfungskette nieder, deren Analyse geboten scheint.

Wobei zunächst zu klären ist, inwieweit an den Ölmärkten tatsächlich Knappheit herrscht. Am 2. September erklärte der amerikanische Energieminister Chris Wright, dass zwei Tage zuvor, am Montag, dem 31. August, 17 Mio. Barrel Öl das Nadelöhr passiert hätten. Zugleich beziffert die Internationale Energieagentur in ihrem jüngsten Monatsbericht das durchschnittliche Ölvolumen, das im August täglich über diese Route transportiert wurde, mit 7,6 Mio. Barrel – 13 Mio. Tagesbarrel weniger als im Zeitraum vor dem Konflikt.

Wer hat Recht? Die Wahrheit dürfte irgendwo in der Mitte zwischen diesen beiden Schätzungen liegen. Grund dafür sind die Dark Crossings, bei denen Schiffe die Meerenge mit ausgeschalteten Lichtern und Transpondern durchfahren. Um sich Klarheit zu verschaffen, hat die amerikanische Geschäftsbank Goldman Sachs in einer Analyse die Daten des Research-Spezialisten Kepler mit früheren Schätzungen kombiniert, um methodische Verzerrungen zu beseitigen. Das Fazit der Analysten lautet, dass die Ausfuhren bis Ende August wieder auf 15 Mio. Tagesbarrel gestiegen waren.

Anfang September hat sich die Lage jedoch weitgehend eingetrübt. Beide Protagonisten wenden nunmehr eine Erdöl-Version des Talionsprinzips an: Es geht Tanker um Tanker. Dieses Aufflammen der Spannungen hat den Preis für „Dated Brent“, der die physischen Lieferungen widerspiegelt, bis zum Redaktionsschluss auf 125 USD pro Barrel schnellen lassen, und in dessen Schlepptau das ‚papierne Fass‘* auf 103 USD pro Barrel verteuert. Überdies fallen die beiden Sicherheitspolster, mit denen in der ersten Konfliktphase das Schlimmste verhindert werden konnte, diesmal aus: Die strategischen Reserven der USA verzeichnen den niedrigsten Stand seit vierundvierzig Jahren und die chinesischen Importe liegen um 20 % unter den Niveaus von August 2025, während die Huthi gerade mit Bab al-Mandab eine weitere Meerenge zunehmend unter ihre Kontrolle bringen.

Dass der Brent-Preis steigt, ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs: Da die Schattentanker im Wesentlichen Rohöl transportieren, verharren die LNG-Exporte hoffnungslos auf einem Tiefstand von rund 20 % der durchschnittlichen Volumen vor Ausbruch des Konflikts, wie Goldman Sachs ebenfalls errechnet hat. Katar muss sich nun auf längere Zeit auf höhere Gewalt berufen, sodass obendrein ein erbitterter Wettbewerb zwischen den europäischen und den asiatischen Gaseinkäufern entsteht, der sich einzig über den Preis austragen lässt. Dieser notiert in Europa bei knapp 80 €/MWh, um die Flüssiggastanker anzulocken. Dennoch hat unser Kontinent Mühe, seine Speicher aufzufüllen: Bei der letzten Zählung beliefen sich die Füllstände auf 64 % der Kapazitäten, was 18 Punkten unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt zu diesem Zeitpunkt im Jahr entspricht.

Spitzenreiter bei den physischen Engpässen sind jedoch Raffinerieprodukte, die neben der Hormus-Blockade auch die Nachwirkungen der Angriffe auf russische Produktionskapazitäten verkraften müssen. Für die Raffination als einem Paradebeispiel für eine zyklische Tätigkeit werden beiderseits des Atlantiks folglich Margen in der beispiellosen Höhe von rund 40 USD pro Barrel verlangt. Innerhalb des nachgelagerten Komplexes weist Diesel die niedrigsten Speicherstände auf, was in den Vereinigten Staaten einen spektakulären Preissprung auf über 6 USD pro Gallone** bewirkt hat – ein Niveau, das den bisherigen Rekord von 2023 übersteigt.

Da es ihr nicht gelingt, das Problem mit Gewalt zu lösen, hat sich die US-Administration zu einer strategischen Verlagerung auf ihre finanziellen Waffen entschieden. Am 24. August sprach Scott Bessent von einem „wirtschaftlichen D-Day“ und sah den Bankrott Irans „in einer Phase der Beschleunigung“. Konkret drohen die Vereinigten Staaten Wirtschaftspartnern des Irans mit sogenannten Sekundärsanktionen. Vor diesem Hintergrund richten sich natürlich alle Augen auf China, dessen kleine privaten Raffinerien einen Großteil des iranischen Rohöls verbrauchen, zumal für den 24. September ein Treffen zwischen den beiden Staatschefs anberaumt ist.

Obschon sie gegen Angebotsschocks kaum eine Handhabe haben, können die Zentralbanken angesichts der Auswirkungen von Preissteigerungen bei fossilen Brennstoffen auf die Inflation nicht tatenlos zusehen. Nacheinander haben in diesem Kontext die EZB und die Fed ihre Leitzinsen angehoben und ihre Inflationsprognosen aufwärts korrigiert.*** Entscheidend bleiben für diese geldpolitischen Institutionen die Zweitrundeneffekte und letztlich die Gefahr, dass die Inflationserwartungen aus dem Ruder laufen. Tatsächlich hat der fünfjährige inflationsindexierte Termin-Swapsatz in fünf Jahren, ein von den Anlegern vielbeachteter Marktindikator, in Europa um 10 Bp. auf 2,15 % zugelegt, während dieser Satz in den Vereinigten Staaten mit 2,4 % seit Jahresbeginn stabil geblieben ist.

Während der hypothetische indirekte Effekt der Leitzinsanhebung auf die Preise fossiler Energien auf sich warten lässt, hat die Europäische Kommission in diesem Sommer just einen Elektrifizierungsplan vorgelegt, um den Elektronen gegenüber den Molekülen mehr Gewicht zu verleihen. Ihr Konzept zielt nicht nur auf die Dekarbonisierung, sondern auch auf die Versorgungssicherheit ab.

Wenig überraschend ist Energieresilienz zum zentralen Thema für die Regierungen des Euroraums geworden, womit der vor zwei Jahren veröffentlichte Draghi-Bericht umso stärker nachhallt. Die EU-Initiative stellt eine strukturelle Investitionsförderung dar, die über mehrere Jahre umgesetzt wird und zahlreiche verwandte Sektoren (Infrastruktur, Erzeugung, Speicherung etc.) abdecken wird. Womit sich ein weites Feld an Möglichkeiten für Anleger öffnet, die eine Diversifizierung gegenüber Engagements im Technologiesektor anstreben, die mittlerweile mit einem denkbar breiten Konsens**** behaftet sind …

 

*Brent-Terminkontrakte mit Fälligkeit im November.

**Der Diesel-Crack-Spread steht bei 100 USD/Barrel.

***In Europa wurde der Ausblick für die HVPI-Kernrate auf 2,6 % im Jahr 2027 revidiert, in den Vereinigten Staaten die PCE-Kernrate auf 2,5 %.

****Der jüngsten Umfrage der Bank of America zufolge ist ein Exposure in der Halbleiterbranche die gängigste Position.

 

Pierre Pincemaille, Generalsekretär der Verwaltung., am 18. September 2026.

Dieser Artikel stellt weder ein Kaufangebot noch eine Anlageempfehlung dar. Diese Werbeunterlage ist ein vereinfachtes Präsentationsinstrument und stellt weder ein Zeichnungsangebot noch eine Anlageberatung dar. Die in der Vergangenheit erzielte Performance bedeutet keine Prognose für die Zukunft. Verwaltungskosten sind in der Wertentwicklung enthalten. Die Performances sind von DNCA FINANCE berechnet. 

DNCA Investments ist eine Handelsmarke von DNCA Finance.

Auch lesenswert

DNCA Investments verwendet Zustimmungs-Cookies für Zwecke der Publikumsmessung, um anonyme Statistiken zu erstellen. Sie können der Verwendung dieser Cookies widersprechen, indem Sie auf die Schaltfläche "Alle ablehnen" klicken. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte unsere spezielle Seite.

Bei Fragen zur Erhebung oder Verarbeitung Ihrer personenbezogenen Daten, insbesondere der über Cookies erfassten Daten, lesen Sie unsere Seite „Ihre personenbezogenen Daten“ oder senden Sie uns Ihre Anfrage über das dortige Online-Formular.