Zum Inhalt springen
Land / Sprache

Land / Sprache

  • Belgien
  • Schweiz

Ihr Profil

Nicht professioneller Anleger

Aktuelles & Publikationen

Wöchentliche Marktkommentare, Pressemitteilungen, Expertenmeinungen, Managementbriefe und Interviews: Hier finden Sie alle Veröffentlichungen und Stellungnahmen unserer Teams.
Filter

Aktuelles

Öffentliche Finanzen: Drei mal drei nachgerechnet

Öffentliche Finanzen: Drei mal drei nachgerechnet

3 min

3-3-3: Mit dieser prägnanten Formel hatte Scott Bessent als frisch ernannter Finanzminister sein Konzept auf den Punkt gebracht. Gemeint waren 3 % Wachstum, 3 % Staatsdefizit und drei zusätzliche Millionen Barrel Erdöl pro Tag. Anderthalb Jahre später liegen diese Ziele leider in weiter Ferne: Das BIP-Wachstum dümpelt (über die letzten sechs Quartale gesehen) bei unter 2 %, die Ölförderung stagniert (+0,3 Mio. Tagesbarrel seit 2024), und vor allem liegt das Staatsdefizit fast beim Doppelten der anvisierten Marke. Dies ist auch den Bondwächtern nicht entgangen, sodass die Renditen von US-Staatsanleihen auf spektakuläre Niveaus geschnellt sind. Vor diesem Hintergrund hat das Finanzministerium das Sommerloch dazu genutzt, bei dieser Anlageklasse zu intervenieren, sodass Anleger sich nun fragen, welche weiteren Schachzüge folgen könnten und mit welchem Effekt.

Konkret hat Bessents Ressort am 19. August über seinen Minister angekündigt, die Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen zu verdoppeln (auf 4 Milliarden Dollar bei Papieren mit zehn- bis dreißigjähriger Laufzeit). Diese Maßnahme ist vorerst auf den 4. November befristet; weitere Informationen sollen anschließend folgen. Erklärte Absicht ist eine bessere Liquiditätssteuerung in diesen Anleihesegmenten.

Allerdings wirft dieser beispiellose Eingriff Fragen zum Timing auf: In den beiden Monaten vor der Ankündigung hatte die Rendite der zehnjährigen Anleihe um 25 Bp. auf 4,70 % zugelegt, die ihres dreißigjährigen Pendants um 40 Bp. auf 5,30 %. Unter diesen Vorzeichen haben die Anleger sofort ihre Schlüsse aus Bessents Botschaft gezogen und die Renditen am langen Ende nach der Mitteilung um rund zehn Basispunkte einknicken lassen.

Allerdings war diese Verschnaufpause nur von kurzer Dauer – und der Aufwärtsdruck ab dem 26. August zurück. Zur Erklärung dieser Entwicklung verweisen manche Kommentatoren auf die relativ niedrigen Summen, mit denen hier hantiert wurde, zumal gegenüber jenen, die die Fed in Zeiten der quantitativen Lockerung aufgewendet hatte. Doch abgesehen von diesem durchaus faktenbasierten Vergleich bleibt die fundamentale Ausgangslage am Anleihemarkt unverändert: eine Inflation, die seit über 65 Monaten über dem Fed-Ziel verharrt, Konkurrenz durch Anleiheemissionen mit immer gewaltigeren Volumen von Unternehmen mit KI-Bezug und vor allem das ausufernde Haushaltsdefizit. Letzteres musste vom CBO* aufwärts korrigiert werden, was auf eine Kombination aus steigenden Ausgaben (Verteidigung und Schuldendienst) und sinkenden Einnahmen (Senkung des Körperschaftssteuersatzes und geringeres Zollaufkommen) zurückzuführen ist. All diese Faktoren treiben die Laufzeitprämie tendenziell aufwärts.

Dieser Aufschlag, den Anleger dafür verlangen, dass sie längere Anleihen halten, anstatt kürzer laufende Papiere zu rollieren, lässt sich auf keinem Bildschirm ablesen, sondern nur mithilfe ökonometrischer Modelle ableiten. Diejenigen der Fed setzen die durchschnittliche Prämienhöhe mit 1 % an, während sie 2023 bei null lag. Auf kürzere Sicht dürfte ihr die Haltung des neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh Auftrieb verschaffen. Seit seinem Amtsantritt im Mai hat dieser ausnahmslos mit der Tradition seines Vorgängers gebrochen und bewusst mit verdeckten Karten gespielt. So hat sich Warsh bei seinen beiden Stellungnahmen im Anschluss an Sitzungen des Offenmarktausschusses auf allgemeine Bemerkungen beschränkt und beschlossen, auf jene Forward Guidance** zu verzichten, an der sich die Anleger gerne orientieren, und den Analyserahmen der Fed zu ändern. All diese Neuerungen machen die geldpolitischen Einschätzungen der Fed-Beobachter schwankungsanfälliger.

Es wird interessant sein, zu verfolgen, wie das vom Finanzministerium ausgesendete Signal langfristig von den Anlegern interpretiert wird. Stanley Druckenmiller, der früher zu Scott Bessents Mentoren zählte, hat sich bereits festgelegt: In einem Gastbeitrag im Wall Street Journal verurteilte Druckenmiller das Vorgehen seines einstigen Zöglings als zum Scheitern verurteilt, da „Regierungen, die Preise gegen die Fundamentaldaten durchzusetzen versuchen, letztlich stets verlieren“. Noch steht jedoch nicht fest, ob sich der Finanzminister tatsächlich auf ein Tauziehen mit den Märkten einlassen wird, und vor allem, mit welchen Instrumenten. Davon stünde ihm ein ganzes Arsenal zur Auswahl, im Extremfall auch eine implizite Steuerung des langen Endes der Zinskurve, was einer finanziellen Repression gleichkäme.

Kurzfristig wird dieser Twist*** unweigerlich zu einer niedrigeren durchschnittlichen Duration der ausstehenden Treasuries führen. Abgesehen von diesem technischen Aspekt wird, sofern keine Anstrengungen zur Haushaltskonsolidierung unternommen werden, der amerikanische Finanzierungsbedarf beachtlich bleiben, ebenso wie das Angebot am Anleihemarkt.

Angesichts des erodierenden Vertrauens in den Status einer risikolosen Anlage, den amerikanische Staatsschuldverschreibungen wie auch diese gesamte Anlageklasse auf internationaler Ebene bisher genossen, scheinen direktionale „Buy-and-Hold“-Strategien gegenüber dem flexiblen Ansatz weniger geeignet. Überdies sollte die aktuelle Konfiguration den Anlegern ein Anlass sein, dem Thema der greifbaren Vermögenswerte neue Beachtung zu schenken, allen voran Gold. Dieses war bei budgetären Verwerfungen in der Vergangenheit stets der große Gewinner. Damit scheint das gelbe Edelmetall ein guter Kandidat für die Diversifizierung der Portfolios zu sein, zumal eine solche Positionierung einen deutlich gesunkenen Konsens auf sich vereint, wie die jüngste Umfrage**** in der Finanz-Community zeigt …

 

*Das Haushaltsbüro des Kongresses hat seine Prognose für das Defizit des Bundeshaushalts für das Ende September auslaufende Haushaltsjahr um 200 Milliarden auf über 2.000 Milliarden angehoben.

**Auf den Pressekonferenzen im Anschluss an FOMC-Sitzungen kommunizierter geldpolitischer Ausblick.

***Begebung kurzlaufender Titel zur Finanzierung des Rückkaufs langlaufender Anleihen.

****Der jüngsten Befragung der Bank of America zufolge zählt Gold nicht mehr zu den fünf Positionen, die den breitesten Konsens genießen.

 

Pierre Pincemaille, Generalsekretär der Verwaltung., am 11. September 2026.

Dieser Artikel stellt weder ein Kaufangebot noch eine Anlageempfehlung dar. Diese Werbeunterlage ist ein vereinfachtes Präsentationsinstrument und stellt weder ein Zeichnungsangebot noch eine Anlageberatung dar. Die in der Vergangenheit erzielte Performance bedeutet keine Prognose für die Zukunft. Verwaltungskosten sind in der Wertentwicklung enthalten. Die Performances sind von DNCA FINANCE berechnet. 

DNCA Investments ist eine Handelsmarke von DNCA Finance.

Auch lesenswert

DNCA Investments verwendet Zustimmungs-Cookies für Zwecke der Publikumsmessung, um anonyme Statistiken zu erstellen. Sie können der Verwendung dieser Cookies widersprechen, indem Sie auf die Schaltfläche "Alle ablehnen" klicken. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte unsere spezielle Seite.

Bei Fragen zur Erhebung oder Verarbeitung Ihrer personenbezogenen Daten, insbesondere der über Cookies erfassten Daten, lesen Sie unsere Seite „Ihre personenbezogenen Daten“ oder senden Sie uns Ihre Anfrage über das dortige Online-Formular.