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SMID: Alpha ... verzweifelt gesucht
Da nun alle großen Börsenindizes (MSCI Europe und S&P500) in der Nähe ihrer Allzeithochs sowie im oberen Bereich ihrer Bewertungsbandbreiten notieren, wenden sich die Blicke der Anleger erwartungsgemäß dem Segment der klein- und mittelkapitalisierten Unternehmen zu, deren Kennzahlen* Abschläge offenbaren. Doch wie versierte Börsianer nur allzu gut wissen, ist das Kursargument lediglich ein unverzichtbarer Ausgangspunkt. Es braucht zudem Katalysatoren, die ein Aufholen plausibel machen.
Ein solcher Beschleuniger ist die Korrelation zwischen dem SMID-Segment und der gesamtwirtschaftlichen Lage des Euroraums, stellvertretend gemessen am Einkaufsmanagerindex**. Hier wird es entscheidend auf die Dynamik in Deutschland ankommen. Die letzten Wochen waren von einer Serie schlechter Nachrichten geprägt (Stellenabbau bei Bosch, Siemens und weiteren Firmen), wobei nun das Schlimmste jedoch womöglich hinter uns liegt. Immerhin dürfte der Mitte September verabschiedete Haushalt im vierten Quartal und 2026 Ausgaben ermöglichen, die über Maßnahmen zur Unterstützung von Unternehmen und des Arbeitsmarkts insbesondere auf die Binnennachfrage abzielen. Zudem sollten es die derzeitigen Kapazitätsüberhänge*** der Haushaltspolitik theoretisch erlauben, starke Multiplikatoreffekte zu bewirken.
Aufgrund der geografischen Verteilung ihrer Absatzmärkte (65 % in Europa, 13 % in Nordamerika) sind die in diesem Segment vertretenen Unternehmen naturgemäß in geringerem Maße den Wendungen der amerikanischen Zollpolitik ausgesetzt. Die jüngste Ankündigung einer bilateralen Einigung zwischen den Vereinigten Staaten und dem Euroraum auf ein Niveau von 15 % hätte für die Anleger eigentlich grünes Licht bedeuten müssen. Doch es kam anders: Trump wäre nicht Trump, wenn er anschließend nicht neue Sonderzölle auf Pharmaerzeugnisse, Schwerlaster und Küchenmöbel angekündigt hätte. Dieser zollpolitische Einfallsreichtum spült zwar Geld in die Kassen des amerikanischen Fiskus, wirft dafür aber neuerlich die Frage danach auf, inwieweit die betroffenen europäischen Unternehmen in der Lage sind, diese Mehrkosten an ihre Kunden weiterzureichen. Im Umkehrschluss dürfte dieses instabile außenwirtschaftliche Umfeld somit automatisch kleinen und mittelständischen Unternehmen Aufwind verschaffen.
Zumal ihnen auch die Geldpolitik in die Hände spielt: Die Leitzinssenkungen der EZB haben Kapital erschwinglicher gemacht und bieten damit einen Anreiz für Investitionen. Obschon sich in den jüngsten Stellungnahmen der EZB-Ratsmitglieder eine Zinspause abzeichnet, setzt sich die Lockerung der Finanzierungsbedingungen dank der Verengung der Spreads von Unternehmensanleihen und der gefallenen Ölpreise fort. Auch der Finanzierungskanal der Bankkredite verzeichnet trotz der allgemeinen Verunsicherung keinerlei Einbruch: Die jüngsten offiziellen Zahlen der EZB belegen einen ansehnlichen Anstieg der Kreditvergabe****.
Für Impulse könnte nicht zuletzt eines der Lieblingsthemen der Anleger sorgen: Fusionen und Übernahmen. Hier haben der italienische und der spanische Bankensektor in den letzten sechs Monaten aufgrund der starken Zersplitterung dieser Branche in beiden Ländern Schlagzeilen gemacht. Generell scheint sich nach den Jahren 2023 und 2024, in denen der europäische M&A-Markt seine größte Flaute seit einem Jahrzehnt verzeichnete, der Trend nun umzukehren: Über einen gleitenden Zwölf-Monats-Zeitraum gesehen wiegen sämtliche Ankündigungen zusammengenommen 900 Milliarden Dollar schwer, was einem Anstieg um 10 % im Vergleich zur Vorperiode entspricht.
Naturgemäß reagieren Small und Mid Caps relativ gesehen sensibler auf Entwicklungen am Heimatmarkt (Haushalts- und Geldpolitik, Kreditvergabe). Dass die aktuelle geopolitische Lage Zollschranken, das Reshoring von Produktionskapazitäten und zunehmende Fragmentierung mit sich bringt, macht sie zu einem fruchtbaren Nährboden für dieses Segment des Aktienmarkts. Damit sind nun genug Argumente vorhanden, um Anlegern nach mehreren Jahren des Desinteresses ein Engagement wieder schmackhaft zu machen. In einer von Entkopplungen und Deglobalisierung geprägten Welt dürften die Stock Picker von Gewinndynamiken in diesem Segment profitieren, die zur Generierung des so verzweifelt gesuchten Alphas führen.
*Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Sicht der kommenden zwölf Monate beträgt 12,4 (2026) beim MSCI EMU Small Cap gegenüber 15,3 beim MSCI EMU Large Cap.
**Im Oktober stand der Index bei 52,4.
***Die Auslastung der Produktionskapazitäten liegt unter 80 %.
****+2,7 % im Jahresvergleich im September.
Pierre Pincemaille, Generalsekretär der Verwaltung., am 22. November 2025.
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