9. September 2016

Hier der wöchentliche Kommentar zu den Märkten von Igor de Maack

Marktkommentar

Die Situation der Zinsen sowie allgemein des Anleihemarkts wirft weiterhin Fragen auf, zumal entgegen landläufigen Vorstellungen die Quote der Zahlungsausfälle von Unternehmen in den Vereinigten Staaten zunimmt. Für Emittenten aus dem spekulativen Bereich hat sich diese Quote von 1,43 % im Jahr 2014 auf 2,75 % im Jahr 2015 und in den zwölf Monaten bis zum 30. Juni 2016 auf 3,64 % erhöht. Zwar konzentrieren sich diese Zahlungsausfälle auf die Gas- und Erdölindustrie, und die Barrelpreise sind seit ihrem Tiefpunkt wieder deutlich gestiegen. Aufgrund der schwach notierenden amerikanischen Aktien und des möglichen russisch-saudischen Deals dürfte sich dieser Aufwärtstrend im Übrigen fortsetzen.

Allgemein wird das High-Yield-Segment in den Vereinigten Staaten wie auch in Europa womöglich Federn lassen müssen, sollten die Anleiherenditen unter Druck geraten. Die gähnende Tiefe bei der Anleiheverzinsung zwingt die Anleger, von den schlimmsten Deflations- und Rezessionsszenarien auszugehen, um ihren ungebrochenen Appetit auf Staats- und Unternehmensanleihen zu rechtfertigen. Der geldpolitische Spielraum ist jedoch ausgeschöpft. Und so hat die EZB auf ihrer letzten Sitzung denn auch getan, was sie tun musste, und zwar: gar nichts.

Jenseits des Atlantiks ist die Geldpolitik der Fed zunehmend unhaltbar, sodass die nächste Leitzinsanhebung nicht mehr weit sein dürfte. Der Dollar könnte übrigens mittelfristig wieder aufwerten, wenngleich in der Vergangenheit steigende Leitzinsen nicht unbedingt automatisch zu einem Erstarken des Dollars geführt haben. Auch die EZB könnte mit dem Dilemma steigender Leitzinsen konfrontiert werden, wenn und falls sich die Inflation wieder erholt.

Seitens der Märkte werden insbesondere die amerikanischen Arbeitsmarktdaten mit größter Aufmerksamkeit auf mögliche Auslöser für kommende Leitzinsanstiege untersucht. Dass sich die Fed so schwer damit tut, sich von einer allzu lockeren und expansiven Geldpolitik zu verabschieden, sollte den Teams um Mario Draghi eine Lektion sein. Dabei muss die EZB schon ihre Rolle als Zentralbank mit der als integrierende Kraft für den Euroraum in Einklang bringen. Zudem ist die Governance des Euroraums sowie allgemein der Europäischen Union ungleich komplexer als die der Dollarzone. Somit darf man auch nicht einfach die Geldpolitik des einen Währungsraums nur mit einer entsprechenden Maßstabsänderung mit der des jeweils anderen gleichsetzen. Weichen die beiden geldpolitischen Kurse jedoch zu lange und zu stark voneinander ab, so drohen Verzerrungs- und Mitnahmeeffekte an den internationalen Finanzmärkten. Als großer Gewinner wird der Bankensektor aus der Abkehr von dieser Geldpolitik und dem Verlassen der Niedrigzinsphase hervorgehen, die an der Ertragskraft der Geldhäuser nagen, während sich die Eigenkapitalanteile in den europäischen Bankbilanzen verdoppelt haben. Einen ersten Hinweis liefert hier auch die relativ gute Wertentwicklung der Bankentitel auf den ansonsten in den zurückliegenden Tagen eher rückläufigen europäischen Aktienmärkten.

Es ist nun an den Regierungen, anstelle der Zentralbanken wieder das Ruder zu übernehmen, denn für die Wirtschaftsakteure – die Haushalte wie die Unternehmen – werden die politischen Unwägbarkeiten in den modernen Demokratien zunehmend zu einem Unsicherheitsfaktor.

Igor de Maack, Fondsmanager und Sprecher Portfoliomanagement, am 9. September 2016.

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Die Situation der Zinsen sowie allgemein des Anleihemarkts wirft weiterhin Fragen auf, zumal entgegen landläufigen Vorstellungen die Quote der Zahlungsausfälle von Unternehmen in den Vereinigten Staaten zunimmt. Für Emittenten aus dem spekulativen Bereich hat sich diese Quote von 1,43 % im Jahr 2014 auf 2,75 % im Jahr 2015 und in den...
2016-09-09