26. Mai 2016

Hier der wöchentliche Kommentar zu den Märkten von Igor de Maack

Marktkommentar

Im Rahmen eines von einer großen angelsächsischen Finanzinstitution in China ausgerichteten Seminars nutzte deren Präsident das folgende englische Akronym, um die an den Märkten herrschende Instabilität zu beschreiben: FOCBT. Diese fünf Buchstaben stehen für die Volatilitätsquellen und weiteren Themen, die in den kommenden Monaten unsere Aufmerksamkeit beanspruchen werden. FOCBT sind die Anfangsbuchstaben von FED, OIL, CHINA, BREXIT und TRUMP. FED: Das größte Risiko (oder auch die größte Chance) für die Anleihen- und Aktienmärkte besteht in einer schnelleren Anhebung der Leitzinsen in den Vereinigten Staaten. Diese Normalisierung würde sicherlich das Ende der 2008 begonnenen Krise und die Läuterung nach den zurückliegenden geldpolitischen Exzessen bedeuten.
 
OIL: Der Ölpreis hat sich seit seinen Tiefstständen annähernd verdoppelt. Allmählich schmilzt das Überangebot ab, während die Nachfrage anhält. Manch einer führt schon jetzt (!) das Wort vom Ölschock im Mund und sagt einen steilen Preisanstieg voraus. Die Stabilisierung eines Rohstoffpreises ist immer eine gute Nachricht, da sie es den Anbietern erlaubt, ihre Investitionsprogramme längerfristig auszurichten. Dies setzt jedoch voraus, dass die Stabilisierung anhält.
 
CHINA: Dort waren wir vergangene Woche. Es gibt wohl nichts, was über das Reich der Mitte nicht schon geschrieben oder gelesen worden wäre. Die ins Stocken geratene Konjunktur, die strukturellen Anpassungen und die Bekämpfung der Korruption bestimmter hoher Beamter sind in aller Munde, wobei die Äußerungen der privaten wie öffentlichen Wirtschaftsbeteiligten jeder Couleur ebenso vielfältige wie überraschende Grade an Hellsichtigkeit verraten. Die Wirkung der letzten geldpolitischen und regulatorischen Unterstützungsmaßnahmen verpufft allzu schnell. Das wahnwitzige Tempo der Verstädterung des Landes stellt die größte demografische, bauliche, wirtschaftliche, soziale und umweltpolitische Herausforderung in der Geschichte der Menschheit dar. Auf den Schultern der chinesischen Führung lastet eine schwere Verantwortung globalen Maßstabs.
BREXIT: In der Finanzwelt mag trotz der noch immer unentschiedenen Umfrageergebnisse noch niemand so recht an einen Alleingang glauben, so kompliziert wäre die Lage der Briten, wenn sie ihren Austritt aus der Europäischen Union organisieren müssten. Sollte das Brexit-Lager bei der Abstimmung obsiegen, wäre das somit eine kleine Katastrophe. Nun darf man die EU nicht mit dem Euroraum verwechseln. Das Risiko einer Ansteckung und eines Übergreifens der Europaskepsis auf andere Völker unseres krisengeschüttelten Kontinents ist jedoch nicht zu unterschätzen.
 
TRUMP: Gemeinsam mit seinem demokratischen Widersacher Sanders hat der republikanische Präsidentschaftskandidat für turbulente Vorwahlen gesorgt und die Debatten mit unkonventionellen, mitunter wahnwitzigen und oft schlicht grotesken Standpunkten angeheizt – für die Medien ein gefundenes Fressen. So lauten jedoch die ungeschriebenen Spielregeln der Vorwahlen. Und man ist versucht, zu sagen: „Was sich bei den Vorwahlen abspielt, bleibt auch auf die Vorwahlen beschränkt.“ Die Amerikaner scheinen es jedoch ernst zu meinen und auf dem besten Weg zu sein, ihre Wut zum Thema zu machen und womöglich auf extreme Positionen zu setzen, um den Eliten und den Kennedys, Bushs und vielleicht auch Clintons eins auszuwischen – jenen politischen Dynastien, die zwar zum amerikanischen Wachstum beigetragen, dabei jedoch die soziale Pyramide verzerrt und damit die Ungleichheiten verstärkt haben.
 
All diese Themen sind nicht neu. Sie zu einem einzigen Block zusammenzufassen ermöglicht jedoch einen besseren Überblick über die jetzige Volatilität an den Aktienmärkten, die wider Erwarten in dieser Woche einen Mini-Aufschwung hingelegt haben.
 

Igor de MaackFondsmanager und Sprecher Portfoliomanagement, am 26. Mai 2016.

Dieser Artikel stellt weder ein Kaufangebot noch eine Anlageempfehlung dar. Diese Werbeunterlage ist ein vereinfachtes Präsentationsinstrument und stellt weder ein Zeichnungsangebot noch eine Anlageberatung dar. Die in der Vergangenheit erzielte Performance bedeutet keine Prognose für die Zukunft. Verwaltungskosten sind in der Wertentwicklung enthalten. Die Performances sind von DNCA FINANCE berechnet. 
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Im Rahmen eines von einer großen angelsächsischen Finanzinstitution in China ausgerichteten Seminars nutzte deren Präsident das folgende englische Akronym, um die an den Märkten herrschende Instabilität zu beschreiben: FOCBT. Diese fünf Buchstaben stehen für die Volatilitätsquellen und weiteren Themen, die in den kommenden Monaten unsere...
2016-05-26