9. Juni 2017

Hier der wöchentliche Kommentar zu den Märkten von Igor de Maack

Marktkommentar

Für Theresa May gab es heute Morgen ein böses Erwachen: Die von ihr anberaumten Neuwahlen mündeten in ein „hung parliament“, in dem keine der Parteien über eine absolute Mehrheit verfügt. Der Brexit wird also alles andere als ein Spaziergang, sowohl für die Politik als auch für die britische Wirtschaft. Am Devisenmarkt ließen die Reaktionen nicht lange auf sich warten. So gab das Pfund zum Euro leicht nach.

In den Vereinigten Staaten ist nicht ausgemacht, dass die Anhörung des ehemaligen FBI-Chefs ein juristisches Nachspiel haben wird, in dessen Zuge ein Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump eingeleitet werden könnte.

Die amerikanische Wirtschaft behält ihren Wachstumskurs (2 %/Jahr) bei, ganz wie die Börse und vor allem die Technologiewerte (insbesondere Halbleiter). Interessant ist der Blick auf die Entkopplung des Verhältnisses von Marktkapitalisierung zum Bruttoinlandsprodukt zwischen den Vereinigten Staaten und dem Euroraum. Seit 2008 hat sich dieses Verhältnis von 80 % auf 156 % in den USA erhöht, in Europa hingegen von 40 % auf 70 %. Die Überbewertung der makro- und mikroökonomischen Leistung der amerikanischen Wirtschaft seitens der Anleger beruht womöglich auf dem fulminanten Boom der Internet- und Technologiewerte.

Anzeichen einer soliden finanziellen Gesundheit oder einer Überhitzung? Man ist versucht, zu antworten, dass beide Argumente ihre Berechtigung haben. Tatsächlich stehen auf der ‚Passivseite‘ des amerikanischen BIP dicke Schulden, und zwar in all ihren Spielarten: Immobilienschulden, Studienschulden, Automobil- und Verbraucherkredite. Der Schuldenberg ist unleugbar gewachsen und beläuft sich derzeit auf insgesamt 17.000 Mrd. US-Dollar, d. h. auf rund 90 % des nominalen BIP der Vereinigten Staaten. Beim jetzigen Zinsniveau sind Verbindlichkeiten in dieser Größenordnung tragbar.

Dies darf jedoch nicht davon ablenken, dass bislang noch alle großen Krisen mit einem Platzen der Schuldenblase begannen. Auch die Führung in Peking beobachtet dieses Thema mit Argusaugen. Wie sich zeigt, sind beide Länder nicht nur bei der Schaffung von Wohlstand, sondern auch bei der Anhäufung von Schulden echte Champions. Und so wird auch verständlich, warum die Zentralbanken auch in den nächsten Jahren nicht umhinkommen werden, eine zentrale Rolle für die Wirtschaft zu spielen.

Igor de Maack, Fondsmanager und Sprecher Portfoliomanagement, am 9. Juni 2017.

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Für Theresa May gab es heute Morgen ein böses Erwachen: Die von ihr anberaumten Neuwahlen mündeten in ein „hung parliament“, in dem keine der Parteien über eine absolute Mehrheit verfügt. Der Brexit wird also alles andere als ein Spaziergang, sowohl für die Politik als auch für die britische Wirtschaft. Am Devisenmarkt ließen die Reaktionen...
2017-06-09