29. Dezember 2016

Hier der wöchentliche Kommentar zu den Märkten von Igor de Maack

Marktkommentar

REFORM, so lautet in der westlichen Welt der Appell, die Forderung, nein: der Schlachtruf, den man das ganze Jahr über von der politischen Führung, den zur Wahl stehenden Kandidaten, den Bürgern und auch den Anlegern vernehmen konnte. Überall in der entwickelten Welt haben Hunderte, ja Millionen für eine Änderung gestimmt, ohne immer so recht zu wissen, warum.  Die Briten möchten nicht mehr zur EU gehören, deshalb jedoch keinesfalls auf ihre Handelsbeziehungen mit dem europäischen Festland verzichten. Donald Trump möchte Handelsverträge aufkündigen, entgegen dem Geist der liberalen Grundsätze, die das Fundament der Vereinigten Staaten bilden. Die Europäer, allen voran die Franzosen, möchten ihrerseits ‚den Tisch umstürzen‘, doch sobald künftige Anstrengungen ins Auge gefasst werden, wird das Wahlvolk wieder kleinlaut wie jüngst in Italien, wo die Ziele und Visionen eines Matteo Renzi am oberflächlichen Klein-Klein eines verkrusteten politischen Systems zerbrachen, das von Flickwerk und Regionalismus geprägt ist. 

Ein Einschnitt ist also gefragt, doch warum? Ein Fortschritt, aber in welche Richtung? Eine Erneuerung, doch was sind wir bereit, aufzugeben? Dies sind die Fragen, die sich heute konkret stellen und deren Antworten sich direkt darauf auswirken, wie wir sparen, investieren, konsumieren und die künftigen Generationen erziehen, die sich im digitalen Zeitalter nicht nur nach neuen Ideen sehnen, sondern auch ein beispielhaftes Verhalten von den Eliten verlangen. 

Indem wir blind stärker an die Veränderung selbst als an ihre möglichen positiven und negativen Folgen geglaubt haben, sind wir, die westliche Welt, die so schnell bei der Hand ist, wenn es darum geht, anderen ein Denkmodell aufzuzwingen, an der Hürde Syrien gescheitert, deren Komplexität von Tag zu Tag blutiger zutage tritt. Sind es womöglich ausgerechnet die in den Medien wieder und wieder an den Pranger gestellten (vormals unter BRIC firmierenden) Schwellenländer, die uns 2016 den Weg gewiesen haben? 

Halten wir uns zum Zeitpunkt der Bilanz doch einmal vor Augen, was diese Länder geleistet haben: In China hat der Kampf gegen die Korruption spektakuläre Ausmaße angenommen, in Brasilien wurde das Staatsoberhaupt vom Parlament ihres Amts enthoben, und dem Bestechungssystem der mächtigen Petrobas wird gerade der Prozess gemacht, in Indien ist die Regierung nicht vor der größten Geldentwertung der Geschichte der Menschheit zurückgeschreckt, als sie die großen Scheine über Nacht aus dem Verkehr zog, um der Schattenwirtschaft den Garaus zu machen, und Russland schließlich hat es geschafft, seine geostrategische Perspektive im Nahen Osten durchzusetzen und am OPEC-Abkommen mitzuwirken, um die Ölpreise wieder steigen zu lassen. 

Auf das Anlagemanagement bezogen könnten diejenigen, die sich 2016 von den politischen Stichtagen eine Kehrtwende an den Märkten erhofft hatten, 2017 womöglich in dieselbe Falle tappen. Natürlich hat jeder Bürger und jeder Anleger Recht, wenn er sagt, dass wir nicht in der besten aller möglichen Welten leben. Doch dies ist nun einmal die einzige Welt, die wir kennen und die tatsächlich existiert. Wäre das Wort „Veränderung“ nicht zu einem Marketingslogan verkommen, dessen wir längst überdrüssig sind, so müsste es uns allen eine Herzensangelegenheit sein, diese Veränderung immer wieder – und nicht nur in Wahlkampfzeiten – zu beschwören und in die Tat umzusetzen, um diese Welt wirklich zu verbessern. 

Hüten wir uns jedoch vor Ideologien und sondern seien wir realistisch, und dies in allen Lebensbereichen, da der Weg sonst allzu leicht in die Sackgasse führt. Diese Überlegungen mögen sich für einen Finanzmarkt-Wochenbrief gar zu philosophisch ausnehmen, doch in den vergangenen zweiundfünfzig Wochen haben wir schon jede Menge Tinte über Zinssätze, Aktien, Bewertungen, Wachstumszahlen, Währungen, Ölpreise und die Volatilität vergossen ... und wir werden uns dieser Themen 2017 natürlich erneut in aller Ausführlichkeit annehmen. Heute jedoch wünscht Ihnen das gesamte Asset-Management-Team von DNCA ein glückliches und erfolgreiches neues Jahr!

Igor de Maack, Fondsmanager und Sprecher Portfoliomanagement, am 29. Dezember 2016.

Dieser Artikel stellt weder ein Kaufangebot noch eine Anlageempfehlung dar. Diese Werbeunterlage ist ein vereinfachtes Präsentationsinstrument und stellt weder ein Zeichnungsangebot noch eine Anlageberatung dar. Die in der Vergangenheit erzielte Performance bedeutet keine Prognose für die Zukunft. Verwaltungskosten sind in der Wertentwicklung enthalten. Die Performances sind von DNCA FINANCE berechnet. 

DNCA Investments ist eine Handelsmarke von DNCA Finance.

REFORM, so lautet in der westlichen Welt der Appell, die Forderung, nein: der Schlachtruf, den man das ganze Jahr über von der politischen Führung, den zur Wahl stehenden Kandidaten, den Bürgern und auch den Anlegern vernehmen konnte. Überall in der entwickelten Welt haben Hunderte, ja Millionen für eine Änderung gestimmt, ohne immer so recht zu...
2016-12-29