22. Juli 2016

Hier der wöchentliche Kommentar zu den Märkten von Igor de Maack

Marktkommentar

Schon viel Tinte ist zum Brexit vergossen worden. Dennoch als Auftakt zu diesem Wochenbrief ein Zitat des größten englischen Politikers der Neuzeit: Winston Churchill. Dieser stellte eins fest: „Sparen ist eine schöne Sache. Besonders, wenn es die Eltern für einen erledigt haben.“ Wird dieses Bonmot angesichts der derzeitigen Vergütungen von Anleihen einst auch für die Kinder und Enkel der heutigen Elterngeneration gelten? Höchstwahrscheinlich nicht, da sich die Zinsen auf Niveaus zubewegen, die die Sparguthaben weltweit sowie die Rentensysteme in ernste Gefahr bringen. Paradoxerweise gelten Aktien insbesondere in Europa mittlerweile als ertragsstarke Anleihenalternative (mit Renditen von rund 3,5 %). Dieses Argument reicht jedoch nicht aus, um die Anleger zum Kauf einer als zu riskant und zu volatil eingestuften Anlageklasse zu überreden. So wurden übrigens in der zurückliegenden Woche Rekordzahlen beim Abzug von Kapital aus Fonds verbucht, die in europäischen Aktien investiert sind. Im Gegenzug haben Schwellenländeranleihen im selben Zeitraum Rekordzuflüsse verzeichnet.

Verunsicherung geht eher von der Politik als von der Wirtschaft aus, auch wenn diese beiden Bereiche vielfach miteinander verzahnt sind. Mit dem Brexit tun sich erstmals Risse auf in der auf Beständigkeit und Einigkeit ausgelegten Europäischen Union, und ein solcher Riss droht auch dem Nato-Bündnis infolge der harten Reaktion des türkischen Regimes auf den Putschversuch.

Fürs Erste dürften die Anleger jedoch versuchen, die Politik zeitweise auszublenden, um ihr ganzes Augenmerk auf die Performance der Unternehmen zu richten. Die allerersten Quartalszahlen stimmen zuversichtlich, sind jedoch noch nicht repräsentativ. Letztlich liefern sie noch keine Hinweise auf das gesamtwirtschaftliche oder auf das mikroökonomische Wachstum im Jahr 2017. 2016 dürfte auch im weiteren Verlauf ein Jahr des Aufschwungs für den Euroraum bleiben, und auch das amerikanische Wachstum zeigt keine Anzeichen von Schwäche: Das US-BIP erreicht historische Spitzenwerte, ganz wie im Übrigen die Börsenkurse.

Ab September werden die Anleger damit beginnen, Vorkehrungen für 2017 zu treffen. Es besteht durchaus die Gefahr, dass das währungspolitische Umfeld so beklemmend bleibt wie jetzt, sollten nicht überraschend die Leitzinsen in den Vereinigten Staaten angehoben werden: Weiterhin ist mit einer mickrigen Verzinsung von Rentenpapieren zu rechnen, während risikobehaftete produktive Aktiva mehr Rendite abwerfen.

Auf der EZB-Sitzung am vergangenen Donnerstag waren bei Mario Draghi keinerlei Anzeichen für einen vermehrten Tatendrang oder einen Willen zur Unterstützung insbesondere hinsichtlich des heiklen und unerquicklichen Themas der italienischen Banken zu erkennen.

Einige Anlagestrategien sehen für das jetzige Szenario den Verkauf von Anleihen vor (die sog. Short-Strategie). Angesichts der heutigen Kursniveaus ist dieser Ansatz durchaus nachvollziehbar. Die beste Art, den Anleihemarkt zu ‚shorten‘, besteht jedoch nicht darin, Anleihen zu verkaufen, sondern darin, Geld aufzunehmen – für diejenigen zumindest, die sich dies leisten können.

Igor de Maack, Fondsmanager und Sprecher Portfoliomanagement, am 22. Juli 2016.

Dieser Artikel stellt weder ein Kaufangebot noch eine Anlageempfehlung dar. Diese Werbeunterlage ist ein vereinfachtes Präsentationsinstrument und stellt weder ein Zeichnungsangebot noch eine Anlageberatung dar. Die in der Vergangenheit erzielte Performance bedeutet keine Prognose für die Zukunft. Verwaltungskosten sind in der Wertentwicklung enthalten. Die Performances sind von DNCA FINANCE berechnet. 

DNCA Investments ist eine Handelsmarke von DNCA Finance.

Schon viel Tinte ist zum Brexit vergossen worden. Dennoch als Auftakt zu diesem Wochenbrief ein Zitat des größten englischen Politikers der Neuzeit: Winston Churchill. Dieser stellte eins fest: „Sparen ist eine schöne Sache. Besonders, wenn es die Eltern für einen erledigt haben.“ Wird dieses Bonmot angesichts der derzeitigen Vergütungen...
2016-07-22